Kennt Ihr das auch? Ihr liegt abends im Bett, der Kopf rast und im Geist rattert die unendliche To-Do-Liste für den nächsten Tag ab: „Ich muss noch schnell das erledigen, ich muss morgen dort funktionieren, ich muss den Erwartungen gerecht werden…“ Dieser innere Antreiber scheint in unserer Gesellschaft niemals Feierabend zu machen. Wir jagen Verpflichtungen hinterher, bis uns sprichwörtlich die Puste ausgeht, und leben in einem permanenten Dauerlauf. Getrieben werden wir dabei von einem einzigen, kleinen Wort, das uns klammheimlich die Freiheit raubt: Müssen.
Doch woher kommt dieser Zwang eigentlich, wie blockiert er unseren Alltag und vor allem – wie finden wir den Weg vom erschöpften Pflichtdruck zum selbstbestimmten „Ich möchte“? Gerade in Phasen des Umbruchs, wenn die großen, intensiven Lebensrollen leiser werden, stellt sich die entscheidende Frage: Wer bin ich eigentlich ohne diese ganzen vermeintlichen Pflichten?
Volkers Erleben: Der Tag, an dem ich zum Kleiderständer wurde
„Wie subtil uns das „Müssen“ von außen auferlegt werden kann, habe ich vor Jahren in einer Beziehung mit einer Schweizerin erlebt. Sie verkehrte in gesellschaftlichen Kreisen, in denen Statussymbole, Kleidung und das perfekte Auftreten über allem standen. Ein Mann hatte gefälligst eine bestimmte Uhr zu tragen, und bei Einladungen war ein feiner Anzug absolute Pflicht. Meine beiden eigenen Anzüge, die ich für geschäftliche Anlässe besaß, waren in ihren Augen nicht gut genug – also zog sie kurzerhand los und kaufte ungefragt drei neue für mich.
Was im ersten Moment wie ein großzügiges Geschenk klingen mag, entpuppte sich schnell als absoluter Zwang. Ich hatte überhaupt keine Wahl. Die Kleidung wurde mir gekauft und ich wurde sprichwörtlich hineingesteckt; ich fühlte mich wie ein lebendiger Kleiderständer. Als ich dann auch noch meinen geliebten, geräumigen Familien-Van gegen ein Cabrio eintauschen sollte, weil das bisherige Auto angeblich nicht standesgemäß war, wurde mir das Ganze nach einigen Monaten zu viel. Ich spürte, dass diese Beziehung nichts mehr mit Freiheit zu tun hatte, sondern ein komplett starrer, fremdbestimmter Weg war, und trennte mich.“
Meikes Erfahrung: Das Abitur und die Illusion des Zwangs
„Ich durfte das Thema „Müssen“ erst neulich in einem ganz anderen, sehr berührenden Kontext erleben – und zwar im Gespräch mit meinem Sohn, der mitten in den Vorbereitungen für sein Abitur steckt. Regelmäßig stöhnte er auf: „Oh nein, ich muss schon wieder lernen!“ Ich habe ihn in diesem Moment angeschaut und gesagt: „Eigentlich musst du überhaupt nicht lernen.“ Er war völlig fassungslos und entgegnete: „Natürlich muss ich das!“
Ich habe ihm dann erklärt: „Nein, du musst nicht. Du lernst jetzt gerade, weil es für dich am Ende ein gutes Gefühl erzeugt, wenn du das Abitur bestehst. Du triffst diese Wahl.“ Mein Sohn schwieg einen langen Moment, dachte nach und sagte schließlich: „Ja, im Prinzip hast du recht. Ich müsste ja nicht mal das Abi machen. Ich könnte auch einfach mein ganzes Erspartes zusammenkratzen, mich in den nächsten Flieger setzen und mich nie wieder melden.“
Er hat in diesem Moment die entscheidende Wendung in seinem Kopf hinbekommen. Er ist geblieben und macht sein Abitur. Aber er hat verstanden, dass er sich freiwillig dafür entscheidet – und diese Veränderung der inneren Haltung hat den schweren Zwang sofort genommen."
Vom Pflichtdruck in den Schöpfermodus
Obwohl wir diese Beispiele in völlig unterschiedlichen Lebensbereichen erlebt haben, führen sie uns zu derselben tiefen Erkenntnis, die wir auch in zwei unserer absoluten Lieblingsbücher finden.
Im Buch „Upasana – Das gute Gefühl“ von Eberhard Beer und dem Yoga-Lehrer Sukumar wird beschrieben, dass wir Menschen im Grunde tief in uns drin immer nur nach einem suchen: nach einem dauerhaften, friedvollen Grundgefühl und innerer Zufriedenheit mit uns und der Welt. Wir jagen äußeren Zielen wie Status, Jobs oder Beziehungen hinterher, weil wir glauben, wir müssen das tun, um glücklich zu sein. Dabei entsteht wahres Wohlbefinden niemals durch äußere Umstände, sondern einzig und allein durch unsere innere Haltung zu den Dingen.
Auch in der bekannten Buchreihe „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch steckt diese radikale Wahrheit: Wir sind nicht auf der Erde, um irgendwelche Pflichten zu erfüllen. Alles, was wir tun, sollten wir aus reiner Liebe tun und nicht aus Pflichtgefühl oder Angst vor Konsequenzen. Der Schöpfer hat keine Erwartungen an uns, sondern hat uns den absolut freien Willen geschenkt. In seinen Augen gibt es kein universelles „Richtig“ oder „Falsch“, sondern nur das, was für unsere Ziele funktioniert oder eben nicht funktioniert.
Wer von Hamburg nach Stuttgart will, fährt im Idealfall nach Süden. Wer nach Norden abbiegt, macht keinen „Fehler“ – Flensburg ist schließlich auch schön –, aber er kommt halt nicht in Stuttgart an.
Das „Müssen“ ist im Grunde ein genialer, psychologischer Schutzmechanismus unseres Egos. Wenn wir sagen, dass wir etwas tun müssen, schieben wir die Verantwortung bequem nach außen. Wir müssen keine eigenen Entscheidungen treffen und wenn wir scheitern, sind eben die Umstände schuld. Wenn wir jedoch erkennen, dass wir immer die freie Wahl haben, schalten wir um in den Schöpfermodus. Wir übernehmen Verantwortung für unser Leben.
Wie wir das „Müssen“ im Alltag ablegen können
Gerade in der zweiten Lebenshälfte, wenn die Kinder aus dem Haus sind und im Beruf vielleicht etwas mehr Ruhe einkehrt, neigen wir dazu, uns sofort neue „Muss-Zeiten“ zu kreieren: Jetzt muss ich dringend Sport machen, jetzt muss ich die Zimmer renovieren oder eine Sprache lernen. Um dieser Optimierungsfalle zu entkommen, dürfen wir wieder lernen, im reinen „Sein“ anzukommen.
Der Philosoph Jean-Paul Sartre prägte einmal das starke Zitat:
„Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein.“
Das klingt im ersten Moment hart, ist aber in Wahrheit die größte Erlaubnis, die wir auf unserem Lebensweg mitbekommen haben. Ihr müsst Euer Leben nicht nach den Erwartungen anderer ausrichten. Ihr dürft jeden Moment neu wählen.
Möchtet Ihr Eure alten Zwänge endlich ablegen und die Leichtigkeit zurückgewinnen?
In der 3. Folge unseres Podcasts „reif & frei“ sprechen wir noch viel intensiver darüber, wie sich dieser mentale Wandel im Körper anfühlt. Wir teilen dort zwei konkrete Übungen mit Euch – den „Wortdetektiv“ und die „Hermann-Methode“ –, mit denen Ihr Euer Nervensystem sofort auf Entspannung programmieren könnt. Außerdem beschreiben erklären wir, warum in einen lachhaften Sketch eine tiefe Weisheit wartet.
Hört gerne rein – wir freuen uns auf Eure ganz persönliche Entscheidung, dabei zu sein!
ÜBER UNS

Meike Völkner & Volker Nunhardt
Als Ehepaar und Experten-Team begleiten wir Menschen in der zweiten Lebenshälfte dabei, Umbrüche als kraftvolle Neuanfänge zu gestalten. Auf unserer Plattform bieten wir mit Online-Kursen, Podcasts und Retreats ganzheitliche Strategien für mehr innere Ruhe und Selbstvertrauen. Unser Ziel ist es, ein stabiles Fundament zu bieten, auf dem Männer und Frauen in der Lebensmitte ihre persönliche Freiheit und Souveränität neu definieren können.
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„reif & frei"!

Wir widmen uns der großen Frage: Wer bin ich eigentlich, wenn die gewohnten Rollen als Mama, Papa oder Leistungsträger wegfallen?
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