Warum weint ein Guru, wenn er über den Tod von Menschen spricht?
Diese Frage hat uns beschäftigt, nachdem wir ein Interview mit dem indischen Yogi und spirituellen Lehrer Sadhguru gesehen haben. Er erzählt von einer Katastrophe, bei der Menschen ums Leben gekommen sind – und beginnt dabei zu weinen.
Doch warum eigentlich?
Wenn jemand davon ausgeht, dass der Körper vergänglich ist und das Leben nicht mit dem Tod endet, müsste er dann nicht gelassener mit dem Tod umgehen?
Wir finden: Genau diese Frage führt mitten hinein in unser heutiges Thema.
Denn Spiritualität bedeutet nicht, dass wir irgendwann über unseren menschlichen Gefühlen stehen. Wir können an etwas Größeres glauben und trotzdem traurig sein. Wir können verstehen, dass alles vergänglich ist, und trotzdem jemanden vermissen.
Himmel und Erde
In unserem 7-Wege-Kompass stehen Himmel und Erde für zwei Seiten unseres Lebens.
Die Erde ist das, was konkret da ist: unser Körper, unsere Beziehungen, unsere Familie, unsere Arbeit, unser Geld, unsere Freude und unsere Sorgen. Das Leben, das tatsächlich stattfindet.
Der Himmel steht für das, was darüber hinausgeht: für Gott, das Universum, Bewusstsein oder eine andere Form von etwas Größerem. Für die Fragen nach dem Woher und Wohin. Für das, was wir nicht messen oder vollständig erklären können. Dabei geht es nicht darum, Dir eine bestimmte Antwort zu geben. Jeder Mensch darf seine eigene Haltung dazu entwickeln.
Vertrauen beginnt dort, wo Kontrolle endet
Gerade in Zeiten von Veränderung stoßen wir schnell an die Grenzen unserer Kontrolle. Wir können planen und organisieren. Aber wir können nicht verhindern, dass Kinder erwachsen werden, Beziehungen sich verändern, Menschen krank werden oder Lebenspläne plötzlich nicht mehr funktionieren. Dann bleibt die Frage: Wie gehe ich mit dem um, was ich nicht kontrollieren kann? Vertrauen bedeutet dabei nicht, davon auszugehen, dass alles gut ausgehen wird. Es bedeutet, weiterzugehen, obwohl wir nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve liegt.
Der Satz „Ich weiß es nicht“ kann dabei erstaunlich befreiend sein. Denn wenn wir nicht alles wissen müssen, müssen wir auch nicht alles kontrollieren.
Was „Siddhartha“ damit zu tun hat
Auch Hermann Hesses „Siddhartha“ beschäftigt sich mit dieser Suche nach Wahrheit.
Siddhartha sucht zunächst die spirituelle Erkenntnis. Später stürzt er sich mitten in das menschliche Leben: Liebe, Sexualität, Geld, Besitz und Genuss. Keine der beiden Seiten allein bringt ihm die Antwort. Erst am Fluss beginnt sich etwas zu verbinden. Der Fluss wird zum Bild für das Leben selbst: Werden und Vergehen, Freude und Schmerz, Anfang und Ende.
Auch unser Kompass erzählt keine Geschichte von „entweder Himmel oder Erde“.
Wir dürfen unseren Körper lieben und seine Vergänglichkeit kennen. Wir dürfen Geld verdienen, ohne unseren Wert davon abhängig zu machen. Wir dürfen lieben und wissen, dass wir Menschen eines Tages verlieren.
Himmel und Erde müssen keine Gegensätze sein.
Die eigene Mitte
Und dann gibt es die Mitte. Sie ist kein perfekter Zustand und auch kein Kompromiss zwischen zwei Seiten. Sie ist der Ort, an dem wir unseren eigenen Standpunkt finden.
Was glaube ich?
Was trägt mich?
Was fühlt sich für mich wahr an?
Und wie gehe ich mit dem um, was ich nicht wissen kann?
Volker erzählt in dieser Folge von seiner Mutter, die 2004 gestorben ist. Er war bei ihr, als sie ihren letzten Atemzug machte. Neben der tiefen Trauer erlebte er diesen Moment als etwas, das sich ungewöhnlich kraftvoll und voller Energie anfühlte. Er kann nicht erklären, was damals geschehen ist. Er macht daraus auch keine allgemeingültige Wahrheit. Es ist seine persönliche Erfahrung.
Bei der Beerdigung sprach er dann von einem Schiff, das aufs Meer hinausfährt. Wir sehen es immer kleiner werden, bis es am Horizont verschwindet. Wir sehen es nicht mehr, aber wir wissen nicht, was hinter dem Horizont liegt.
Für uns beschreibt dieses Bild die Verbindung von Himmel und Erde sehr gut: Die Erde sagt, dass ein Mensch gestorben ist. Der Himmel lässt die Frage offen, ob damit wirklich alles vorbei ist, und die Mitte erlaubt uns, beides stehen zu lassen.
Drei Fragen für Deine eigene Mitte
Nimm Dir nach dieser Folge fünf Minuten und frage Dich:
Was ist gerade wirklich da in meinem Leben?
Was kann ich davon nicht kontrollieren – und wo kann ich trotzdem vertrauen?
Was fühlt sich für mich gerade stimmig an – und was nicht?
Du brauchst darauf keine perfekten Antworten. Es geht nur darum, einmal innezuhalten und wahrzunehmen, wo Du gerade stehst.
Denn schließlich musst Du nicht alles verstehen, um Deinen eigenen Weg weiterzugehen.
ÜBER UNS

Meike Völkner & Volker Nunhardt
Als Ehepaar und Experten-Team begleiten wir Menschen in der zweiten Lebenshälfte dabei, Umbrüche als kraftvolle Neuanfänge zu gestalten. Auf unserer Plattform bieten wir mit Online-Kursen, Podcasts und Retreats ganzheitliche Strategien für mehr innere Ruhe und Selbstvertrauen. Unser Ziel ist es, ein stabiles Fundament zu bieten, auf dem Männer und Frauen in der Lebensmitte ihre persönliche Freiheit und Souveränität neu definieren können.
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